Testberichte

Weber Q 3200 im Langzeit-Test

Dieser Beitrag enthält Produktnennungen und Werbelinks *

Vor fast genau einem Jahr habe ich zum Geburtstag einen Weber Q 3200 geschenkt bekommen, welcher nach 5 Jahren meinen treuen Q 100 (bzw. Q 120) ablöste. Wie sich das Grillgerät nach einem Jahr intensiver Benutzung geschlagen hat, erfahrt ihr im folgenden Erfahrungsbericht.

Der Weber Q 3200 – Gerät & Verarbeitung

Eine wirkliche Überraschung war der Grill natürlich nicht – ich hatte mich vorher lange informiert, gelesen, verglichen, angeschaut und mir schlussendlich genau dieses Modell gewünscht. Die Konkurrenz ist mittlerweile recht groß und der Markt voll mit den unterschiedlichsten Marken und Modellen. Durch einen Umzug, der einen größeren Balkon zur Folge hatte (Juchuu!), hatte ich überhaupt erst einmal die Möglichkeit, mich nach größeren Modellen umzuschauen. Selbst wenn ich auf dem Q 120 schon erfolgreich Pulled Pork und andere Long Jobs zubereitet habe, war ein größerer Grill in mehrerer Hinsicht sinnvoll für mich:

  • Endlich zwei Brenner und eine indirekte Zone! Wobei, dazu später mehr …
  • Grillfläche ist durch nichts zu ersetzen als durch noch mehr Grillfläche 😉
  • Neber der gewachsenen Grillfläche natürlich auch ein höherer Deckel (wichtig für Hühnchen oder Ribs, die hochkant hingestellt werden)
  • Ein Warmhalte-Rost, das gerade beim Flachgrillen (klassich Steak und Wurst) ständig zum Einsatz kommt
  • Ein zwei-geteilter, emaillierter (!) Rost (wobei dieser bei der Einführung der 1000er Reihe in allen Modellen Einzug gehalten hat). Dadurch kann man eine Seite z.B. durch eine Grillplatte austasuchen

… wie man sieht, wurde es also mehr als Zeit, auf ein größeres Modell umzusteigen! 🙂

Der Aufbau ging relativ flott von statten. Nach ca. einer Stunde stand alles fest an seinem Platz und konnte begutachtet werden. Wie erwartet zeichnet sich auch der Q 3200 durch eine hervorragende Verarbeitungsqualität aus. Nix klappert, nix scheppert, nix wackelt. Was auch schwer möglich ist bei 28 kg Kampfgewicht! Deckel und Gehäuse sind aus Aluguss, der Rahmen aus glasfaserverstärktem Nylon.

Und was soll ich sagen – nach einem Jahr sitzt immer noch alles an seinem Platz und hat trotz Witterung (ich benutze keine Abdeckhaube) optisch nicht gelitten.

Sehr angenehm sind auch die beiden abklappbaren Seitentische, die wesentlich stabiler sind als die kleinen Tischchen vom Q 120. So kann man nun auch wirklich mal einen Teller mit schwerem Grillgut ablegen ohne befürchten zu müssen, dass das gute Zeug im nächsten Moment beim Nachbarn drunter auf dem Balkon liegt.

Ganz allgemein: der Weber Q 3200 macht auf dem Balkon einfach eine gute Figur. Ich hatte länger überleg, ob’s nicht doch ein Spirit werden sollte. Ein Deckel in Kasten-Form macht einfach mehr Sinn als der abgeflachte der Q-Serie und die Brenner sind besser angeordnet. Allerdings wäre so ein Kasten schlicht zu wuchtig geworden, denn so groß ist der Balkon nun auch nicht.

Weber Q 3200 auf unserem Balkon

Weber Q 3200 auf unserem Balkon

Zudem muss ich sagen, dass mir in dem Jahr Benutzung der Q-Deckel nicht in die Quere gekommen ist. Bisher hat immer alles drunter gepasst! 🙂 Und mit den Maßen 110,5cm Höhe (aufgeklappt 141cm), 127,6cm Breite und 53,4cm Tiefe ideal für unseren Balkon.

Highlight sind natürlich die beiden Edelstrahlbrenner mit einer Leistung von 6,3 kW (ca. 3x so viel wie beim Q 120). Beide Brenner können einzeln angesteuert und reguliert werden. Während der große Brenner sich O-förmig am Rand des Gehäuses befindet, liegt der kleine Brenner gerade in der Mitte. Gezündet werden sie mit einer elektrischen Zündung, die auch nach einem Jahr intensivem Grillen bestens funktioniert. Ich bin gespannt, wann ich zum ersten mal die Batterie austauschen muss! Die Piezo-Zündung des Q 120 war am Ende dann schon etwas störrischer.

Ebenfalls neu für mich: porzellanemaillierte Roste! Ein Traum! Beim Q 120 hatte ich noch den alten Rost mit “blankem” Gusseisen. Das führte, trotz pfleglicher Behandlung, leider zu Rost am Rost … bei den emaillierten Rosten kann das nicht passieren – zumal sie sich auch viel besser sauber machen, aber dazu später mehr.

Ansonsten glänzt das Gerät mit etlichen kleinen Features und Ideen: die abnehmbare Fettauffangschale sitzt sicher in ihrer Position (selbst wenn man den Grill auf den Rollen verschieben sollte), an der Front kann man an drei Haken sein Grillbesteck unterbringen, das Grifflicht (auf den Fotos nicht montiert) ist vor allem im Winter sehr hilfreich und neben der Spanngurt-Gasflaschen-Befestigung (gute Sache!) kann man zusätzliche Roste/Platten verstauen.

Letztendlich kann man festhalten: für die aufgerufenen 649,00€ (UVP; im Handel oft deutlich günstiger zu haben) bekommt man echt was geboten. An der Verarbeitung ist absolut nix zu beanstanden, auch nach einem Jahr steht das Gerät fast wie neu da. Und dank der langen Garantiezeiten habe ich auch keine Bedenken, dass sich das so schnell ändern wird. Schön wäre es natürlich, wenn der Wagen und die Seitenteile nicht komplett aus Plastik wären – was für den Preis mit Sicherheit auch drin wäre. Gerade bei den Seitenteilen sollte man Fettflecken nicht tagelang außer Acht lassen, sondern nach dem Grillen einfach kurz abwischen. Aber das war’s dann auch schon 😉

Das Grillen auf dem Weber Q 3200

Kommen wir also zum wichtigsten Teil: wie grillt es sich auf dem Q 3200?

Auf der 63cm x 45cm großen Fläche ist genug Platz, um 6 Personen mit Steaks und Würstchen zu versorgen. Dank des Warmhalterosts (41cm x 13cm) wird die Fläche nochmals vergrößert – außerdem funktioniert das Warmhalten an sich auch prima. Wenn die Steaks noch brauchen, die Würstchen aber schon fertig sind, werden sie einfach auf die höher gelegene Fläche abgelegt.

Entenbrust mit perfekter Kruste

Entenbrust mit perfekter Kruste

Das ist natürlich auch praktisch, wenn man ein dickes Steak gar ziehen lassen möchte. Und hier kommen wir direkt zum größten “Kritikpunkt”: auch wenn man die Brenner einzeln ansteuern kann und die Temperatur gut bei ~120° gehalten werden kann (sofern man einen regelbaren Gasdruckminderer angeschlossen hat), kann man das Gusseisen nicht austricksen. Dieses speichert die Hitze dermaßen gut, dass es oft doch ratsamer ist, dass Grillgut auf das Warmhalterost zu legen, damit’s am Ende dann nicht außen schwarz und innen roh ist. Während das Warmhalterost bei einem Steak gut funktioniert, wird es bei echten Long Jobs wie Pulled Pork wesentlich schwieriger, da das Rost dafür zu klein ist. Dort kommt man dann um ein zusätzliches Rost nicht herum. Es muss auch kein teures Weber-Rost sein; IKEA bietet da gute Bräter für ein paar Euro an.

Ansonsten funktioniert die Hitzeverteilung ordentlich. Direkt über dem Brenner ist es natürlich etwas heißer, aber dank des Gusseisens verteilt sich die Hitze immer gleichmäßig. Dadurch, dass das Rost über dem Brenner geschlossen ist, tropft auch kein Fett ins Feuer. Alles andere landet in der Fettauffangschale. Gut gelöst! Übrigens: auch hier muss man nicht auf teure Weber-Tropfschalen zurückgreifen. Ein Schluck Wasser in die Schale wirkt Wunder 🙂

Grill-Leistung des Weber Q 3200

Die Leistung kann sich ebenfalls sehen lassen. Die 6,3 kW heizen den Grill bei voller Leistung und 26 Grad Außentemperatur innerhalb von 13 Minuten auf 300 Grad auf. Stark! Trotzdem muss man dazu sagen, dass niedrige Temperaturen um die 120 Grad nach wie vor nur mit einem regelbaren Gasdruckminderer zu erreichen sind (eben wie ich es vom Q 120 schon gewohnt war). Wenn dieser von den üblichen 50mbar auf 25mbar eingestellt wird und man den mittleren Brenner auf die niedrigste Stufe stellt, können konstant die 120 Grad gehalten werden. Hier ist aber Vorsicht geboten: bei 25mbar und der niedrigsten Stufe des mittleren Brenners zündelt nur noch eine winzige Flamme vor sich hin. Auch wenn ich es selber noch nie erlebt habe – ein heftiger Windstoß könnte die Flamme durchaus “auspusten”. Da ich solch niedrige Temperaturen aber sowieso nur bei Long Jobs benötige, bei denen ein Thermometer zum Einsatz kommt, werde ich eh alarmiert, wenn die Temperatur im Garraum unter 90° fällt. Stundenlanger Gasaustritt ist im Zweifel nämlich mehr als gefährlich!

Hat man diese “Hürde” aber einmal genommen, gelingt mit dem Weber Q 3200 einfach alles. Vom konventionellen Würstchen hin über 3-2-1 Ribs bis zu Beef Brisket – der Q 3200 ist ein Allrounder.

Klingt alles schön und gut, aber jetzt wird’s erst richtig spannend: seitdem ich mir die gusseiserne Grillplatte von Weber gekauft habe, meide ich es, mir Steaks im Restaurant zu bestellen – zu Hause wird’s nämlich besser! 15 Minuten lang aufheizen, das Steak von beiden Seiten kurz von der heißen Grillplatte küssen lassen, auf dem Warmhalterost auf 56° ziehen lassen und fertig ist das perfekte Steak. Vor allem die Röstaromen sind gigantisch! Auch wenn das typische Branding fehlt – ein goldbraunes, knuspriges Steak ist mir lieber als ein Rauten-Muster 😉

Die Säuberung des Weber Q 3200

Das Gute vorweg: Die Säuberung ist wesentlich einfacher als beim Q 120. Das liegt einfach daran, dass der Q 3200 wesentlich höhere Temperaturen schafft und die Pyrolyse damit besser funktioniert. Wenn Marinaden & Co. das Rost bzw. das Gehäuse stark verschmutzt haben, reicht es in der Regel aus, den Grill 20 Minuten lang abzubrennen und anschließend abzubürsten. Wichtig dabei: Edelstahl- oder Messingbürste verwenden! Die gewöhnlichen Stahlbürsten zerstören mit der Zeit die Oberfläche.

Grillreiniger im Einsatz

Grillreiniger im Einsatz

Damit bekommt man auf jeden Fall das Rost vernünftig sauber. Den Garraum wische ich nach dem Abbrennen kurz mit Zewa aus, so dass das ganze Gekrümel in die Auffangschale fällt. Bei richtig hartnäckigen Verschmutzungen eignen sich spezielle Chemikalien wie der “Backofen- und Grillreiniger” der Firma Wepos.

Was nach wie vor etwas problematisch ist: man kommt schlecht unter den Brennern durch. Auch wenn’s beim Q 120 noch fummeliger war, ist auch bei dem Q 3200 etwas Fingerakrobatik angesagt. Nichts desto trotzt lässt er sich relativ gut und einfach sauber machen. Abbrennen, abkühlen, abbürsten – fertig!

Die Fettauffangschale stelle ich meistens einfach in den Spüler. Wie schon erwähnt, es bietet sich an, etwas Wasser aufzufüllen, wodurch das Fett samt Wasser danach einfach entsorgt werden kann. Den Rest erledigt die Spülmaschine.

Vorsicht: auch wenn das Rost emailliert ist – niemals in die Spülmaschine geben! Sollte irgendwo die Emaille etwas abgeplatzt sein, bildet sich an der Stelle schnell Rost.

Fazit zum Weber Q 3200

Alles in allem kann man sagen: der Weber Q 3200 ist einfach ein verdammt guter Grill. Sicherlich könnte man für den Preis hier und da den Kunststoff durch hochwertigere Materialen ersetzen, die Säuberung durch handlichere Herausnahme des Brenners vereinfachen oder der Regulierung der Brenner mehr Spielraum verleihen, damit niedrigere Temperaturen auch ab Werk möglich sind (wobei da wahrscheinlich der Sicherheitsaspekt eine Rolle spielt). Aber am Ende überwiegen für mich die Vorteile: schicker Profigrill, der trotz seines Funktionsumfangs auch auf relativ kleinen Balkonen eine sehr gute Figur macht und im Prinzip für jedes Gericht geeignet ist! Und wer das Raucharoma seines Smokers vermisst, kann den Q 3200 einfach um Räucherboxen erweitern (was ich selber aber noch nie benutzt habe – den Nachbarn zuliebe :-))

Jedenfalls ist meine ohnehin hohe Grillfrequenz seit dem Besitz des Weber Q 3200 nochmals angestiegen – was natürlich zur Folge hat, dass ich beim Baumarkt um die Ecke mittlerweile Stammkunde geworden bin. Pi mal Daumen hole ich aller 6-8 Wochen eine neue 5kg Gasfalsche. Manchmal auch schon nach vier Wochen, wenn viele aufwendige Sachen wie Pulled Pork und 3-2-1 Ribs zubereitet wurden. Spielt bei den Gaspreisen aber auch keine wirkliche Rolle 🙂

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